Wirds farbig in Mitholz?

Medienmitteilung des VBS: Hydrologische Versuche mit Markierflüssigkeit im ehemaligen Munitionslager Mitholz

Bern, 08.05.2020 – Um genauere Informationen zu den hydrogeologischen Verhältnissen im ehemaligen Munitionslager Mitholz zu erhalten, führt das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS am Montag, 11. Mai 2020, Markierversuche durch. Damit können die Grundwasserfliesswege ermittelt und genauere Aussagen über die mögliche Ausbreitung von Schadstoffen gemacht werden.

Die Wasserflüsse durch das ehemalige Munitionslager Mitholz und in der Umgebung sind bis heute weitestgehend unbekannt. Die bisherigen Vorstellungen zu den hydrogeologischen Bedingungen innerhalb und ausserhalb der Anlage sollen mit Markierversuchen überprüft und konkretisiert werden. Dank den aktuellen Niederschlagsverhältnissen kann das VBS am Montag, 11. Mai 2020, in Zusammenarbeit mit externen Fachexperten die hydrologischen Markierungsversuche durchführen. Die Experten erhoffen sich davon Aufschlüsse über die Fliessrichtung und die Fliessgeschwindigkeit des Grundwassers. Festzuhalten ist, dass bei den bisherigen Untersuchungen keine Hinweise auf eine Gefährdung des Grundwassers, der Kander und des Stägebachs ausgehend von den Munitionsrückständen festgestellt wurde.

Zudem erlauben es die Versuche, eine mögliche Ausbreitung von Schadstoffen zu simulieren. Diese Informationen bilden eine wichtige Grundlage für Interventionsmassnahmen, die im Rahmen von Bauarbeiten standardmässig präventiv geplant und im Notfall umgesetzt werden. Damit will das VBS bei den Arbeiten zur Risikoreduktion im ehemaligen Munitionslager den Schutz des Wassers gewährleisten.

Bei den Markierversuchen geben die Fachleute zwei verschiedene Markierflüssigkeiten an zwei Standorten innerhalb der Anlage aus und spülen jeweils 1000 Litern Wasser nach. Anschliessend werden an insgesamt 12 Messstellen in der Umgebung, darunter beispielsweise in der Kander, Wasserproben entnommen und auf den Gehalt an Markiersubtanzen untersucht. Aus der Zeitdauer, bis die Markierstoffe an den Messstellen nachgewiesen werden können, und deren Konzentration können Rückschlusse auf die Wasserfliesswege gezogen werden. Die Beprobungen werden so lange durchgeführt, bis der Durchlauf der Markierstoffe erfolgt ist.

Bei den Markierflüssigkeiten handelt es sich um Uranin und Sulforhodamin B, zwei gängige Stoffe bei hydrologischen Markierversuchen. Aufgrund ihrer Eigenschaften färben sie das Wasser stark grün (Uranin) und violett (Sulforhodamin B). Sie sind geschmack- und geruchlos, ungiftig und somit harmlos für die Umwelt.

Wegen Coronavirus: Mitwirkung wird verlängert

Ende Februar 2020 informierte das VBS die betroffene Bevölkerung über das Konzept zur Räumung des ehemaligen Munitionslager Mitholz und eröffnete eine Mitwirkung. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die lokale Wirtschaft sowie die Behörden können sich zu den Auswirkungen der vorgesehenen Räumungsarbeiten äussern.

Aufgrund der ausserordentlichen Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus kann unter anderem die geplante Sprechstunde für die Bevölkerung von Kandergrund nicht durchgeführt werden. Zudem ist der soziale Austausch sehr eingeschränkt, so dass die Meinungsbildung nicht mehr ohne Weiteres gewährleistet werden kann.

Weil das VBS der betroffenen Bevölkerung angemessene Bedingungen für die Mitwirkung bieten will, wird die Frist für die Eingabe der Fragebogen und die persönlichen Rückmeldungen bis zum 29. Mai 2020 verlängert. Die Sprechstunde soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Weiterhin vorgesehen ist, dass sich der Bundesrat noch im laufenden Jahr mit dem weiteren Vorgehen befasst.

Vorbildlich seit Juni 2018

Die folgende Analyse stammt von Marc Pollmeier aus dem «Frutigländer» von Freitag, 6. März 2020. Merci für die Erlaubnis zum Publizieren.


Der Fall Mitholz müsste eigentlich «Affäre Mitholz» heissen: Ein Dorf wird entvölkert, eine wichtige Verkehrsachse gefährdet, es entstehen Milliardenkosten. Doch wie es zu all dem kam, scheint kaum jemanden zu interessieren. Selbst das Parlament hat für die Vorgeschichte wenig mehr übrig als ein Schulter zucken. Braucht es eine gesonderte Untersuchung?

„Vorbildlich seit Juni 2018“ weiterlesen

25.02.2020: Das Dorf soll geräumt werden

Nicht nur die Munition, auch das Dorf soll geräumt werden. Während die Vorbereitungsphase für die Munitionsräumung mit rund zehn Jahren angegeben wird, soll anschliessend die Bevölkerung von Mitholz während weiteren rund zehn Jahren ihr Dorf verlassen. 

Das hat das VBS am 25. Februar 2020 bekannt gegeben. Die Information, wie sich das VBS die Lösung des Sprengstoffproblems vorstellt, wurde gespannt erwartet. Mit diesen Aussagen hat aber kaum jemand gerechnet. 

Link zur Medienmitteilung des VBS

Erster Mitholz-Vortrag stösst auf Interesse

Den ersten Anlass der Vortragsreihe 2020 des Vereins Schweizer Armeemuseum in Thun bestritt am 22. Januar 2020 Hans Rudolf Schneider, Autor des Buches «Die Schreckensnacht von Mitholz». Gegen 100 Interessierte füllten den Vortragssaal bis zum letzten Sitzplatz und liessen sich über den aktuellen Stand beim 1947 explodierten Munitionsmagazins in Mitholz aufdatieren. Im Februar muss das VBS aufdecken, wie es sich die Räumung der damals nicht entsorgten Munition vorstellt.

Schwerpunkt des Vortrages war jedoch die abwechslungsreiche Geschichte der nach dem Unglück weitergenutzten unterirdischen Anlage bis in die heutige Zeit. Vom Lager über ein Basisspital bis zur Armeeapotheke mit einer Pharmafabrik gehen die geplanten, gestoppten oder realisierten Projekte. Diese wurden vom Referenten mit seltenen Bildern, Plänen und Grafiken erklärt und mit Detailinfos und Anekdoten ergänzt.

Im Anschluss entwickelte sich eine spannende Frage- und Diskussionsrunde, bei der Munitionsspezialisten, ehemalige WK-Soldaten als Nutzer der verschiedenen Anlageteile und Anwohner von Mitholz ihre Kenntnisse und Meinungen austauschten.